Segelfliegen stirbt aus?


02 Oct
02Oct

Marktforschung

                                                

Trotz des Zeitalters des digitalen Marketings und des Aufschwungs diverser Extremsportarten – das stille Abenteuer Segelflug kann sich auf dem umkämpften Markt der aktiven Freizeitgestaltung bisher nicht als Breitensport behaupten. Im Gegenteil; 

Aktuelle Zahlen aus der jährlichen Veröffentlichung des DAeCs machen den jährlichen Schwund an Segelfliegern in Deutschland sichtbar.

Abbildung: DAeC - Zahlen, Daten, Fakten 2020

Diese Entwicklung birgt u.a. die Konsequenz, dass viele Vereine durch mangelnden Nachwuchs keine regelmäßigen Flugbetriebe mehr organisieren können. Weiterhin fehlen Mitgliedsbeiträge, welche die Flugplatzinfrastruktur sowie den Flugzeugpark finanzieren. Dies führt langfristig zu einem Aussterben kleiner Vereine und damit auch der mannigfaltigen Segelflugkultur in Deutschland.

Nachdem mich dieses Thema beschäftigt und ich im Rahmen meines Studiums eine Marktforschung betreiben darf, habe mir dazu die folgende betriebswirtschaftliche Fragestellung ausgesucht: 

"Wie können deutsche Segelflugvereine in Zukunft junge Mitglieder unter 25 Jahren nachhaltig zur Beitragsgenerierung und Überlebenssicherung gewinnen?                                                

Als Vorwegnahme zur weiteren Marktforschung gilt, dass junge Leute die Zielgruppe mit dem größten Potential darstellen. Um den Luftsport dauerhaft mit Nachwuchs zu versorgen und einen positiven Multiplikatoren-Effekt zu erzeugen, soll sich die Marktforschung deshalb auf die effiziente Mitgliederwerbung auf Menschen unter 25 Jahren konzentrieren. Die Marktforschungsfrage lautet hierbei: „Was waren die Beweggründe für junge Segelflugpiloten (in einem Zeitraum der letzten 10 Jahre) einem Verein beizutreten und welche Faktoren spielen für die künftige Mitgliederanwerbung eine Rolle?“

Problemstellung

Die Begeisterung für das Fliegen hat bei den Sportlern nicht nachgelassen, aber die beruflichen und sozialen Bedingungen haben sich in den vergangenen 20 Jahren wesentlich verändert. Es ist heute normal, wenn ein junger Mensch für die Berufsausbildung den Wohnort wechselt, manche verbringen eine Zeit im Ausland.

Der Wandel der Gesellschaft macht Kulturveränderungen auch in der Segelfliegerwelt notwendig.

Obwohl die Vereinsstruktur zum größten Teil aus Freiwilligenarbeit besteht, ist es wichtig, dass  Mitglieder und Interessenten betriebswirtschaftlich leistungsorientiert als „Kunden“ betrachtet werden. Diese müssen von dem motorlosen Fliegen zunächst durch konsistente Marketingauftritte überzeugt werden.

Potenzielle Neumitglieder haben viele Alternativen, etwa Gleitschirmfliegen, ein junger, dynamischer und vereinsunabhängiger Freizeitsport. Im Kontrast dazu steht der Segelflug: Das Image der unansehnlichen Segelfliegerhüte und die Vereinssklaverei sind stark in den Köpfen verankert. Der Segelflug muss attraktiver werden und erste Hemmschwellen überwunden werden.

Zweck der Befragung & Ziele

Die Optimierung der Mitgliederwerbung sowie eine vergrößerte Präsenz des Segelflugsports in der Öffentlichkeit sind Visionen die es zunächst in kleinen Schritten zu realisieren gilt: 

  • Aufdecken von Quellen für geringe Neuanmeldungszahlen, z.B. durch Aufzeigen von Vorurteilen gegenüber des Sports/Vereinslebens
  • Messen von Werbungseffizienz bisheriger Maßnahmen
  • Marktanteil und bestehende Mitglieder halten: "Kundenbindungsmaßnahmen"
  • Stabile Zuwachszahlen: Existenz von Vereinen durch Nachwuchsgewinnung sichern
  • Entwicklung neuer Maßnahmen: Modernes Werbungs-Konzept

Methode

Die Marktforschung soll mithilfe einer zweistufigen Befragung Aufschluss über wirksame Methoden zur Mitgliedergenerierung geben. Auf Stufe 1 sollen Expertengespräche mit Jungpiloten darüber geführt werden, welche Art der Werbung auf sie einwirkte und letztendlich erfolgreich war. Der Einstieg in den Flugsport aus fliegerischem familiären Hintergrund ist hiervon ausgeschlossen. Die Befragung jeweils über die qualitative Methode durchgeführt, was  einen möglichst spezifischen Einblick in die unterschiedlichen Beweggründe diesen Luftsport zu betreiben gewähren soll.                                   

Mit den Schlussfolgerungen aus Stufe 1 sollen in Stufe 2 weitere sportbegeisterte Jugendliche als potentielle Zielgruppe für die Mitgliedergenerierung befragt werden. Resultierend aus den angegebenen Meinungen zum Segelflugsport aus „Nichtflieger-Sicht“ führt die zweite Ableitung zu einer Handlungsempfehlung für Vereine und den Luftsportverband.                                                

Zielgruppe und Repräsentativität

Um wirkungsvolle Marketingmaßnahmen für das gewünschte Mitgliederwachstum zu identifizieren, bedarf es einer Befragung unter Berücksichtigung der entsprechenden Grundgesamtheit. In der vergangenen Flugsaison 2020 waren im Gliding Online Contest (OLC) 1689 Piloten unter 25 Jahren aktiv geflogen. Mit einer Annahme von 5% Varianz und 90% des zugrunde liegenden Vertrauensniveaus ergibt sich für Stufe 1 eine angestrebte Stichprobe von 234 Befragten. Für Stufe 2 wird die Zielgruppe der Befragten auf junge Menschen, welche noch nicht fliegen, erweitert und dementsprechend eine Grundgesamtheit von 1.000 potentieller Neumitglieder angenommen. Bei einem Vertrauensniveau von 90% und einer Varianz von 5% ist eine Stichprobenmenge von 214 Befragten vorhergesehen.       


Ergebnisse der Marktforschung und Konzeptideen folgen - Über Eure Anregungen und Ideen freue ich mich sehr!

Verantwortliche Veranstalterin der Umfrage: Julia Steinle / juliet.sierra@web.de

https://www.julietsierra.de/

Kommentare
* Die E-Mail-Adresse wird nicht auf der Website veröffentlicht.